Kurz gesagt
Im Triathlon-Schwimmen bringt Technik mehr als Kraft: eine flache Wasserlage, kontinuierliches Ausatmen unter Wasser, ein langer Armzug und ein sparsamer Beinschlag. Trainiere lieber oft und kurz mit Technikübungen als selten und lang. Deine Schwellenpace (CSS) berechnest du aus einem 400-m- und einem 200-m-Test.
Für viele Einsteiger ist das Schwimmen die größte Hürde im Triathlon. Die gute Nachricht: Gerade hier bringt Technik mehr als Kraft. Wer ruhig im Wasser liegt und entspannt atmet, schwimmt schneller und kommt frischer aufs Rad. Dieser Artikel zeigt dir, worauf es ankommt.
Warum Technik vor Ausdauer kommt
Wasser bremst stark. Kleine Fehler in der Wasserlage kosten deshalb viel Kraft – mehr als beim Laufen oder Radfahren. Deshalb gilt im Schwimmtraining: lieber oft und kurz mit sauberer Technik als selten und lang mit verkrampften Zügen.
Die vier Grundlagen des Kraulschwimmens
1. Wasserlage
Ziel ist eine möglichst flache Lage. Der Blick geht nach unten zum Beckenboden, nicht nach vorn. Hebst du den Kopf, sinken Hüfte und Beine ab – und du schwimmst „bergauf“.
2. Atmung
Atme unter Wasser kontinuierlich durch Mund und Nase aus. Zum Einatmen drehst du den Kopf zur Seite, ein Auge bleibt im Wasser. Viele Einsteiger halten die Luft an – dann bleibt beim Atemzug keine Zeit zum Ausatmen, und du gerätst außer Atem. Die Dreier-Atmung (alle drei Züge, abwechselnd links und rechts) hilft, gleichmäßig zu schwimmen, ist aber kein Muss.
3. Armzug
Die Hand taucht vor der Schulter ein, der Arm streckt sich nach vorn. Dann ziehst du mit hohem Ellbogen unter dem Körper nach hinten bis zur Hüfte. Stell dir vor, du greifst über ein Fass.
4. Beinschlag
Im Triathlon reicht ein ruhiger, gleichmäßiger Beinschlag aus der Hüfte. Er stabilisiert die Wasserlage; starker Beinschlag kostet viel Energie, die du auf dem Rad und beim Laufen brauchst.
Technikübungen, die wirklich helfen
| Übung | So geht’s | Wofür |
|---|---|---|
| Abschlagschwimmen | Ein Arm wartet vorne, bis der andere ihn „abschlägt“. | langer Zug, ruhiger Rhythmus |
| Seitlage mit Beinschlag | Auf der Seite liegen, unterer Arm gestreckt, Beine schlagen, zum Atmen Kopf drehen. | Wasserlage und Atmung |
| Einarmig kraulen | Nur ein Arm zieht, der andere bleibt vorn oder an der Seite. | sauberer Armzug |
| Faustschwimmen | Mit geschlossenen Fäusten kraulen, danach normal. | Gefühl für den Unterarm beim Ziehen |
Beispiel: eine Schwimmeinheit für Einsteiger
| Abschnitt | Inhalt | Strecke |
|---|---|---|
| Einschwimmen | locker, gern im Wechsel Kraul und Brust | 200 m |
| Technik | 4 × 50 m Übungen (je 25 m Übung, 25 m normal), 20 s Pause | 200 m |
| Hauptteil | 6 × 100 m ruhig, 30 s Pause | 600 m |
| Ausschwimmen | ganz locker | 100–200 m |
Insgesamt etwa 1.100 bis 1.200 Meter. Kannst du noch keine 100 Meter am Stück kraulen, teile sie in 4 × 25 Meter mit kurzen Pausen.
Schwimmtempo messen: die CSS
Die Critical Swim Speed (CSS) ist deine Schwellenpace im Wasser – also das Tempo, das du über längere Zeit halten kannst. Du berechnest sie aus zwei Tests: 400 Meter und 200 Meter, jeweils so schnell wie gleichmäßig möglich. Die CSS-Pace pro 100 Meter ist die Zeitdifferenz geteilt durch zwei.
Beispiel: 400 m in 8:00 min und 200 m in 3:40 min. Differenz 4:20 min (260 s), geteilt durch 2 = 130 s, also eine CSS-Pace von 2:10 min pro 100 m. Das Konzept der kritischen Geschwindigkeit im Schwimmen wurde unter anderem von Wakayoshi und Kollegen (1992) untersucht.
Vom Becken ins Freiwasser
- Orientierung: Alle sechs bis acht Züge kurz nach vorn schauen („Sighting“), dann weiter atmen.
- Neoprenanzug: gibt Auftrieb, fühlt sich aber anfangs eng an. Teste ihn vor dem Rennen mehrmals.
- Sicherheit: Schwimm im Freiwasser nie allein, nutze eine Schwimmboje und halte dich an freigegebene Badestellen.
- Start üben: Ein Massenstart ist unruhig. Üben hilft, gelassen zu bleiben.
Typische Fehler
- Kopf zu hoch – die Beine sinken ab
- Luft anhalten statt kontinuierlich ausatmen
- zu viel Beinschlag
- nur Strecke sammeln, ohne an der Technik zu arbeiten
Ein Techniktraining im Verein oder ein Kraulkurs kann gerade am Anfang viel bewirken – ein geschultes Auge sieht Fehler, die du selbst nicht spürst.
Schwimmtraining mit Endraivo
Endraivo legt dein Schwimm-Level über deine 400-m- und 200-m-Zeit fest und schätzt daraus deine CSS-Pace. Kennst du deine Zeiten nicht, hilft der Guide „Finde dein Level“. Viele Schwimmeinheiten enthalten Technikübungen mit eingebetteten Videos, und jede Einheit erklärt unter „Wie“ und „Warum“, worauf es ankommt.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meine CSS-Pace?
Zeit für 400 m minus Zeit für 200 m, geteilt durch zwei. Das Ergebnis ist deine CSS-Pace pro 100 m – zum Beispiel 2:10 min bei 8:00 und 3:40 min.
Wie oft sollte ich als Triathlon-Anfänger schwimmen?
Zweimal pro Woche ist ein guter Start. Häufiges, kurzes Training verbessert die Technik schneller als seltene lange Einheiten.
Wie bereite ich mich auf das Schwimmen im Freiwasser vor?
Orientierung (Sighting) üben, den Neoprenanzug mehrmals vorher testen, nie allein im Freiwasser schwimmen und eine Schwimmboje nutzen.
Quellen
- Wakayoshi K, Ikuta K, Yoshida T, et al. (1992): Determination and validity of critical velocity as an index of swimming performance in the competitive swimmer. European Journal of Applied Physiology and Occupational Physiology. PubMed
- Technikbeschreibungen und Übungen entsprechen gängiger Schwimm- und Triathlon-Trainingspraxis.




